Jahresrückblick


Hier kommt mein Rückblick auf das Jahr 2025 in Bild und Text:

Der Januar ist ja immer ein arbeitsamer Monat bei mir, weil der Unichor seine Semesterabschlusskonzerte gibt. In diesem Jahr war ich außerdem noch mit dem Sine Nomine Chor auf Probenwochenende im Kloster Huysburg.

Im Februar hatte die Kantorei Ambergau, zu diesem Zeitpunkt gerade mal 2 Jahre alt, das erste Mal Besuch von einem Gastchor, nämlich dem Kirchenchor aus Malå, Nordschweden. Deren Leiter Denny Kraft und ich kennen uns – wir sind beide Kinder des Barnim -, und er hat in einer gemeinsamen Andacht der beiden Chöre das einzige Gemeindelied derartig fantastisch auf der Orgel begleitet, dass die Gemeinde spontan in Applaus ausgebrochen ist.

Zu diesem Zeitpunkt machte Zeus schon einen kranken, müden Eindruck. In der letzten Februarwoche hatte ich 5 Tage Ostseeurlaub für ihn und mich gebucht und wir sind auch gefahren, aber ich habe den Urlaub abgebrochen und bin mit ihm zum Tierarzt, der ihn sofort nach Hannover in die Tierklinik überwiesen hat.

Am 4. März habe ich meinen Hund verloren. Er kam zu mir im Jahr 2018 nur 2 Monate, nachdem ich mit der Strahlentherapie (und ehrlich gesagt so ziemlich mit dem Leben) fertig war. Er war meine zweite Hälfte in allem, Konzerte, Proben, Wanderungen, Scheidung, Umzüge, Transition – Zeus war immer da, für Zeus war ich immer der Nordpol und er war es für mich.

Mein Bruder, der ein einfach wunderbarer Mensch ist, kam für eine Woche zu mir, damit ich im Fall von Zeus‘ Tod nicht alleine wäre, und das war auch gut so. Eine Freundin war geistesgegenwärtig und richtete ein Crowdfunding-Konto ein, auf das viele, viele Menschen großzügig gespendet haben, denn die Kosten in der Tierklinik sind astronomisch.

Und dann war ich alleine. Ich mußte mich daran gewöhnen, Geräusche zu hören, die nicht vom Zeusel verursacht wurden. Er kam nicht mehr morgens ins Bett geklettert, um mit der Schnauze auf meinem Bauch zu schlafen, während ich den ersten Kaffee trank. Aber das mit Abstand Schlimmste für mich war: das Einsingen fand ohne ihn statt. Er hat nicht mehr jeden Abend mitgesungen, wenn die Soprane sich aufschwangen, und das hat mir (und so manchem Chormitglied) jede Chorprobe wieder das Herz gebrochen.

Aber auch vor solchen Situationen macht der Alltag nicht halt, und ich hatte ein Konzert zu spielen im wunderschönen Kloster Walkenried, ein weiteres zu dirigieren anlässlich des 80. Geburtstags der Sine-Nomine-Gründerin Agnes Kauer, und hatte Besuch von zwei lieben Freundinnen.

Im April und Mai habe ich irgendwie nur durchgehalten. Es fiel mir schwer, wie sonst im Leben die Schönheiten um mich herum zu fotografieren. Das lag zum Einen daran, dass ich nicht mehr gassi ging, und zum Anderen trat in meiner Wohnung ein massiver Wasserschaden auf, der offenbar schon seit Jahren bestanden hatte und mit dem ich mich noch monatelang vergnügen würde. Vier Wochen war ich Duschtourist: nach jeder Chorprobe bei einem freundlichen Chormitglied zuhause.

Im Juni habe ich tief durchgeatmet und begonnen, ganz aktiv wieder auf Strecken spazieren zu gehen, die ich mit Zeus gegangen war. Ich habe für die Grünen Cremlingen einen kleinen Vortrag über den nachgewiesenen Einfluss von Musikunterricht auf das Lern- und Sozialverhalten von Kindern und damit auf unsere gesamte Gesellschaft gehalten.

Im Juli waren wieder Unichorkonzerte, vier Stück an der Zahl, weil wir in Kooperation mit dem Uniorchester einen Opernchor-Karaokeabend gestaltet haben. Ende Juli hat sich meine gesamte Familie auf ein Wochenende in Liebenberg (Brandenburg) getroffen, was mir sehr gut getan hat. Unter anderem waren mein Bruder und ich spontan FKK baden. Daran erkennt man wahrscheinlich unsere ostdeutsche Herkunft. 😀

Im August hatte die Kantorei Ambergau ein gemeinschaftliches Sommerkonzert mit dem Bläserchor Ambergau, und der Sine Nomine Chor hatte ein Torschlusspanik-Probenwochenende, weil wir für die Uraufführung, die wir im September singen sollten, die Noten extrem spät bekommen haben. Die Queermonics haben auf dem CSD in Magdeburg gesungen, und das war einfach fantastisch. Ebenfalls im August hat der BTSC seinen Trainingsabend für die Dancing Queers von Montag auf Sonntag verlegt, woraufhin ich beigetreten bin und seitdem jeden Sonntag Abend versuche, Standard und Latein tanzen zu lernen.

Im September waren die letzten Solo-, Orchester und Gesamtproben für die Missa Mundi, unsere Uraufführung mit dem Sine Nomine Chor. Gepaart war das Stück der Berliner Bandoneonistin Bettina Hartl mit der Vesperae Solennes de Confessore von Mozart, und beide kamen in der prall vollen Johanniskirche beim Publikum gut an. Ich hatte eine überwiegend aus dem Staatstheater handverlesene, absolut luxuriöse Orchesterbesetzung und ein wirklich tolles Solist*innenteam!

Die Queermonics waren im September im Niedersächsischen Landtag in Hannover eingeladen, um dort auf dem Regenbogenempfang der Grünen Landtagsfraktion aufzutreten. Das war aufregend und spannend – es gab eine Führung durch das Landtagsgebäuder vorweg, sehr interessant. Und das Trio Jörn Lindemann (Tenor), Almuth Kroll (Sopran) und ich haben einen ersten Operetten- und Musicalabend in Wolfenbüttel gespielt.

Im Oktober hatte ich meine erste richtig freie Woche in diesem Jahr! Und ich habe sie perfekt genutzt: ich bin in die sächsische Schweiz gefahren und wandern gegangen. Das war ursprünglich einer meiner vielen Pläne mit Hund, denn Zeus hat genau wie ich nichts so sehr geliebt wie stundenlang durch Wälder zu rennen. Ich war öfter mit ihm im Elm oder im Harz, wenn ich mal einen freien Tag hatte, und die sächsische Schweiz stand auf meiner Wanderliste für uns beide. Nun war ich also alleine für uns beide wandern, und es war einfach ein Traum. Oktoberwälder sind ja ohnehin wunderschön, ich persönlich liebe auch Regen und Nebel und lasse mich davon überhaupt nicht vom Draußensein abschrecken, also war es eine perfekte Urlaubswoche.

Die Queermonics haben auf der Hochzeit eines Chormitglieds gesungen und zur Eröffnung der Ausstellung „Weibermacht“ des HAUM im Kleinen Haus des Staatstheaters.

Am 28. Oktober bin ich umgezogen, zurück in die Stadt. Ich habe eine sehr gemütliche Wohnung in einem Fachwerkhaus ganz nahe der Innenstadt gefunden, von wo aus ich praktisch alles zu Fuß, mit dem Rad oder mit den Öffis erreiche. Für das Pendeln zur Kantorei 1x die Woche kann ich ein Sheepersharing-Auto nehmen, daher werde ich in den nächsten Wochen wahrscheinlich meinen Holgi verkaufen.

Im November habe ich einen Gottesdienst zum Volkstrauertag gespielt, die Queermonics haben auf dem 60. Geburtstag eines Chormitglieds gesungen, und ich hatte den zweiten Operettenabend, diesmal im Lindenhoftheater in Braunschweig, also ein für meine Verhältnisse fast ruhiger Monat.

Und im Dezember hatte ich ein super Probenwochenende mit dem Unichor in Wernigerode (leider kein Schnee dieses Jahr). Dann bin ich für 2 Tage nach Brandenburg gefahren, da ein Onkel von mir bestattet wurde. Danach gab es das dritte und letzte Operettenkonzert, diesmal im Till-Eulenspiegel-Museum in Schöppenstedt, ein Weihnachtskonzert der Kantorei Ambergau in Bockenem, und da war ich schon krank. Den Queerten Advent der Queermonics mußte ich stumm anleiten – man kann mit Karteikarten einsingen! -, da ich die erste Kehlkopfentzündung meines Lebens hatte, die auch davon nicht besser geworden ist, dass ich an meinem Geburtstag mit einigen lieben Freund*innen abends weg war und viel geredet habe.

Facit: Dieses Jahr hatte wirklich einige Höhen und Tiefen. Während ich mich im Frühjahr noch völlig verzweifelt gefragt habe, wer ich bin und wie ich sein kann ohne meinen ständigen Begleiter Zeus an der Seite, habe ich es inzwischen ganz gut herausgefunden. Wieder in die Stadt zu ziehen hat mir gut getan, und nicht nur, weil der frühere Vermieter sich als besonders schwierig herausgestellt hat, sondern einfach, weil mein sozialer Zirkel hier ist. Ich bin ja wirklich gesegnet mit den spannendsten, freundlichsten, interessantesten Menschen um mich herum, und ich freue mich sehr, sie spontan treffen zu können, spontan ins Theater zu können, zum Einkaufen nur 500 m zu laufen statt in den nächsten Ort fahren zu müssen usw.

Ich bin unheimlich dankbar für die vielen musikalischen Kostbarkeiten, die mir das Leben in diesem Jahr geschenkt hat, und genauso für die große Zuneigung, die mir von allen Seiten zukommt: Da hat der Kirchenchor eine Grabkerze für den Hund aufgestellt. Da laden mich Freundinnen in ihre Gartensauna ein, wenn ich müde oder krank bin. Da hilft mir jemand vom Fach, mich gegen den Vermieter zur Wehr zu setzen, der mich übervorteilen wollte. Ja, ich bin sehr sehr dankbar für dieses reiche Leben.


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