Der April ist da, und mit ihm der Start des Sommersemesters, die Magnolienblüte, drei Probenwochenenden in den nächsten fünf Wochen, und ich wurde während der Schulferien morgens nicht von den laut schreienden Kindern vor der Turnhalle gegenüber geweckt, sondern von den ebenso laut schreienden Gänsen, die hier vorbeifliegen. Braunschweig ist voller Wasservögel, besonders natürlich an den Teichen in Riddagshausen, aber auch hier an den Flussufern und in den Parks der Stadt ist derzeit alles voller Gänse und ich bin ein Fan! Sie sind ziemlich furchtlos trotz viel Fuss- und Radverkehr und machen einfach ganz entspannt ihr Gänseding.


Was sind die musikalischen und sonstigen News?
Die Kantorei hat den musikalischen Gottesdienst am 8. März gestaltet, was wir natürlich als Datum nicht liegenlassen konnten, weshalb wir unter anderem den March of the Women von Ethel Smythe gesungen haben – und es gab prompt Applaus von der Gemeinde dafür!
Im Februar wurde ich ziemlich kurzfristig eingeladen, bei 2 Konzerten mit der Tango-Messe von Palmeri Klavier im Orchester zu spielen und hatte die größte Freude dabei. Mit meinem Instrument hat man ja nicht so oft Gelegenheit, selbst im Orchester zu sitzen, aber ich mache das unheimlich gerne.
Ich bin mal wieder für eine Probe in der Seniorenkantorei Braunschweig eingesprungen und es war wie immer ein großer Spaß. Diese Leute sind schnell! Da ist niemand, der nicht 50 Jahre Chorerfahrung hat, und man arbeitet in einem Tempo, das ist wirklich beeindruckend. Außerdem wurde mir ein selbstgestrickter Osterhase geschenkt, also what‘s not to love?

Der Unichor hatte die Vorproben im März mit allen, die schon Zeit hatten. Das offizielle Semester beginnt morgen. Ich hatte dieses Semester, nachdem wir uns endlich alle recht zuverlässig auf die Rückmeldungsumfragen am Ende der Semester eingestellt hatten, tatsächlich ein paar Plätze für neue Chormitglieder frei und bisher konnte ich alle Vorsingenden aufnehmen. (Bei einer habe ich das Ausloten ihres Stimmumfangs abgebrochen, als sie mühelos ein A’‘‘ erreicht hat.) Das Thema dieses Semester ist Feuer, und die Stücke sind einfach toll – wie immer fiel es mir schwer, mich auf Konzertlänge zu reduzieren, es gibt immer so viel schönes Repertoire! Aber um schon einmal anzuteasern: es wird auch, aber nicht nur, feurige Klassiker geben, sondern auch „Fire“ aus den „Elements“ von der kanadischen Komponistin Katerina Gimon, und „Fire of Hope“ vom singapureanischen Komponisten Darius Lim (der übrigens mit seinem eigenen Chor Ende des Jahres auch ein Konzert in der Berliner Philharmonie gibt).
Die Queermonics haben demnächst ihr allererstes Probenwochenende überhaupt und sind schon total aufgeregt. Als absoluter Luxus begleitet uns eine professionelle Logopädin, die als Mutter eines Chormitglieds und Fan der ersten Stunde angeboten hat, das gesamte Wochenende für Stimmgesundheit zu sorgen. Sie hat bereits 40 (!) LaxVox-Schläuche organisiert, damit das alle mal ausprobieren können, die es noch nicht kennen.
Der Sine Nomine Chor startet gleich kommenden Freitag in sein Probenwochenende. Für unser Filmmusikkonzert im September kooperieren wir ja mit dem Exaudi Chor Magdeburg, von dem auch einige Mitglieder auf unser Wochenende mitkommen. Unsere größte Schwierigkeit bisher war das schleppende Eintreffen der Noten – ähnlich wie bei dem Gaming Soundtrack Programm, das wir in der Uni vor 2,5 Jahren gemacht haben, ist es wirklich schwierig, von manchen Stücken die Aufführungsrechte zu bekommen, denn oft liegen die gar nicht bei den Komponist*innen, sondern bei den Film- und Spieleinhabern. So kam es, dass wir ab Oktober erstmal nur 3 Stücke zur Verfügung hatten und ich parallel schon das Brahms Requiem für unser Folgeprojekt 2027 geprobt habe. Aber zum Glück kam wieder ein ganzer Schwung neuer Stücke in den letzten 2 Wochen, sodass ich für das Wochenende gut ausgestattet bin.
Ansonsten war ich zur der Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes an Claus-Ulrich Heinke eingeladen, der als Pfarrer, Journalist und Leiter der SingAkademie Niedersachsen für seine kulturelle und internationale Arbeit geehrt wurde. Das war eine wirklich ausgesprochen schöne Veranstaltung, herzlich, nahbar, und natürlich auch sehr musikalisch. Und der Koch (der übrigens auch in meiner Kantorei singt) hat sogar veganes Dessert gemacht. ❤

Ich habe Ulli viel zu verdanken. Er ist die Sorte Mensch, die sehr uneigennützig immerzu versucht, Leute zusammenzubringen, die zusammen gehören. Als ich noch in Eberswalde wohnte, lernte ich bei einem dortigen Chorprojekt einen Pianisten kennen, der regelmäßig für die SingAkademie Niedersachsen korrepetierte, und der bat mich irgendwann, für ihn einzuspringen. So lernte ich Ulli kennen, und als ich ein Jahr später selbst nach Niedersachsen zu meinem damaligen Partner zog, machte Ulli es sich zur Aufgabe, mich zu vernetzen – was für einen Musiker ja wirklich das A und O ist, denn wenn uns niemand kennt, ist es schwierig.
Ulli überließ mir schnell auch ganze Chroproben und 2018, als seine Frau einen medizinischen Notfall hatte, sogar eine ganze Konzerteise („Die Schöpfung“ in Bayern, Ungarn, Tschechien und Österreich), mit seiner Frau Heidrun, die Sängerin ist, habe ich in ihrem Frauen-Vokalensemble und mit ihren Schülerinnen gearbeitet, und beide haben sich sehr dafür eingesetzt, dass ihre ländliche Region, das Ambergau, wieder einen Kirchenchor bekommt, den ich nun leite.
Ullis und Heidruns Töchter sind wie ihre Mutter Sängerinnen geworden, und ich hatte während der Verleihung des Verdienstkreuzes das große Vergnügen, Christiane bei einigen liebevoll von ihr umgetexteten Chansons am Klavier begleiten zu dürfen.




Ansonsten habe ich in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht, ob ich wieder bereit für ein Haustier bin – Anfang März war Zeusels erster Todestag -, und mich vorerst dagegen entschieden. Ich vermisse es sehr, ein Tier zu haben, aber ich habe auch gerade so viel zu tun, dass ich bezweifle, ob ich dem gerecht werden könnte. Wenn mir irgendwann wieder so ein Wunder wie Zeus in die Hände fällt, das einfach im Konzert auf der Bühne schläft, werde ich mich ganz bestimmt nicht wehren, aber im Moment ist es auch gut so, wie es ist.